Schuld ist ein Konzept, dass die katholische Kirche ersann: Jemand hat ein Gebot Gottes verletzt, darüber ist Gott erzürnt und du kannst Wiedergutmachung leisten, indem du Geld an die Kirche zahlst.
Schuldgefühle kommen also daher, dass man denkt, ein Gebot verletzt zu haben und dementsprechend bestraft gehört.
Allerdings sind Schuldgefühle nicht nur schlecht, denn nur durch das Gefühl, ein Gebot verletzt zu haben, erlernt man Werte und Normen, die man später hinterfragen kann, um ein eigenständiges Gewissen zu erlangen.
Gleichzeitig ist das Konzept der Schuld aber auch sehr schwierig. Wenn etwas schief geht, wird Schuld zugesprochen, manchmal von jemand anderem, manchmal von einem selbst. Und dabei vergisst man das wahre Problem: Schuld kann man nicht anfassen, es ist nichts reales oder objektives wie ein Brot oder ein Buch.
Aber gesagt zu bekommen, dass man an etwas Schuld hat, kann genauso weh tun wie ein Schlag mit einem Buch ins Gesicht. Man wird wütend, weil man sich angegriffen fühlt und reagiert auch so, anstatt ruhig zu reden und die Dinge, die einen wirklich zu beschäftigen, zu klären.
Irgendwann rennt man mit einem Haufen guten Erinnerungen, ungesagten Worten und dem Gefühl, dass irgendwas schrecklich schief gegangen ist, auseinander. Und gerade diese Kombination von Schuldgefühlen, Missverständnissen und guten Erinnerungen macht einen oft genug schrecklich traurig.

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