Ich weiß nicht genau, wieso, aber in letzter Zeit habe ich relativ viel über Illusionen nachgedacht, gerade in Bezug auf Beziehungen.
Nicht nur ''Liebes''beziehungen, sondern auch in Bezug auf Freundschaften und deren Dauer.
Man kennt das doch, gerade im Teenageralter, in dem ich ja mitten drin stehe:
Man lernt jemanden kennen, versteht sich toll mit der-/demjenigen, baut eine emotionale Bindung auf und ehe man es sich versieht, steht die Wörtchen ''für immer'' im Raum, sei es auf die ''Beste Freundinnen für immer'' - oder die ''Ich werde dich immer lieben''- Art.
Irgendwoher taucht die Illusion auf, das man diesen Menschen für immer im eigenen Leben halten könnte.
Aber an sich müssten wir es doch wissen, oder?
An sich müsste doch allen klar sein, dass nichts für immer ist und wahrscheinlich jede Beziehung irgendwann zerbricht, oder?
Es muss nicht mal ein Streit sein.
Es muss nicht mal dramatisch sein.
Man lebt sich auseinander, die gemeinsame Zeit läuft einfach ab, die Wege trennen sich.
Anfangs hält man noch Kontakt, aber dann schrumpft das auch zusammen und die gemeinsamen Nenner werden immer kleiner und irgendwann, irgendwo ist es wie bei Erich Kästners ''Sachlicher Romanze'':
"Als sie einander acht Jahre kannten
(und man darf sagen: sie kannten sich gut),
kam ihre Liebe plötzlich abhanden.
Wie andern Leuten ein Stock oder Hut."
Und vielleicht wissen wir es irgendwo von vorneherein, dass es eh nicht für immer ist.
Aber trotzdem passiert es oft genug: In irgendeinem Moment geht die Tür zum Verstand auf, eine Art verdrehter Optimismus marschiert herein, baut seine Illusion der ewigwährenden Verbundenheit auf und verdrängt das rationale Denken in eine kalte, einsame Ecke.
Die große Frage ist nur, was macht man mit dieser Illusion?
Was macht man als Außenstehende, wenn man die Illusion einer Freundin sieht und eigentlich genau weiß, dass es eh nie klappen wird?
Was macht man, wenn der Kumpel sich nichts sehnlicher wünscht, als dass die Illusion wirklich wird?
In mir schreit das Bedürfnis auf, diese Illusion kaputt zu machen und mit einem für mich seltenem Realismus zu schreien, dass es kein ''für immer'' gibt, dass man nicht alles überstehen kann, dass es irgendwann zu Ende gehen wird.
Manchmal will ich sie nur an den Schultern packen, kräftig schütteln und schreien: ''Mach die Augen auf!''
Aber dann fällt mir ein, dass die Illusion sich vielleicht, wahrscheinlich früher oder selber in Luft auflöst, so, wie es bei mir war.
In einem Moment noch Pläne geschmiedet, von Kindern und möglichen Weihnachtsfesten gesprochen, Fantasien der Zukunft durchgespielt und diese genoßen. Im nächsten Moment hingeguckt und festgestellt, dass es nie so kommen wird - teilweise, weil man das selber gar nicht will.
Weil es noch so viel anderes zwischen ''jetzt'' und ''dann'' gibt, dass ausprobiert werden will und muss.
Und dann denke ich, vielleicht sollte ich ihnen doch die Illusion lassen.
Vielleicht sollten sie einfach genießen, was sie haben, solange sie es haben - inklusive der Illusion.
Dank für Inspiration und Suche nach einem nun doch unnötigen Zitat geht an E.
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